Tradition und Brauchtum

Bisinger Hexen

Tradition und Brauchtum

Der Hexenbaum (Hexenbesen):

Das Stellen dieses übergroßen Hexenbesens auf dem Bisinger Marktplatz ist ein neuerer Brauch, der sich aber zu einem festen Bestandteil der Bisinger- Hexen entwickelt hat. Gleich dem Setzen des üblichen Narrenbaumes, wird ein kahlgeschlagener Stamm, verziert mit sieben Besen, aufgestellt. An den Besen wird die jeweilige Zunftzahl, die symbolisierte Bisinger Hexe und der Schlösslesteufel angebracht.

 

 

 

 


Die Hexenausgrabung:

Seit der Gründung der Bisinger Hexen wird die oberste Hexe aller Bisinger Hexen am „Schmotziga Dauschdeg“, Hulda die Schreckliche, ausgegraben und erweckt. Vielmals im Domizil Kuhloch, auf öffentlichen Plätzen oder in der Hohenzollernhalle in Bisingen wurde dieses Spektakel vollzogen. Seit 1993 geschieht dies auf dem Marktplatz in Bisingen. Mit schauriger Musik und dem Mitternachtsschlag der St. Nikolauskirche erscheinen Fackelträger im Häs der Bisinger Hexen auf dem Bisinger Marktplatz, um die Szenerie in ein gespenstisches List zu bringen. Nebelverschleierter Wald und die Burgruine Rohr, stilisiert und beleuchtet, stellen das Kirchhölzle dar, aus dem das Wedelweible (Ideegegebene Figur der Bisinger Hexen) stammt. Der Glockenschlag hallt noch, wenn sich mehrere Hexen aus ihren Verstecken heraus, durch die Zuschauer hindurch ihren Weg bahnend, auf dem Marktplatz zum Hexentanz versammeln. Mit wilden Gebärden, Akrobatik und schaurigem Schreien wird versucht, die Gunst der obersten Hexe Hulda zu erlangen. Die Schlusspose des Hexentanzes ist die bereits weitverbreitete Hexenpyramide, bei der letztlich der Schlösslesteufel in der Mitte erscheint. Dies ist das Zeichen für das Vorbereiten des Hexensuds, der zur Taufe der Junghexen benutzt wird. Gleichzeitig setzt sich die Taufgruppe von der Kirchgasse aus Richtung Taufplatz in Bewegung. Begleitet mit ihren Taufpaten tragen die mit einer schwarzen Kutte bekleideten Junghexen ihren Tauftrog im Fackellicht auf ein vorbereitetes Podest, auf dem sie zur Taufe hergerichtet werden.
Derweil ist das Zubereiten des Hexensuds in vollem Gange. Der Teufel hat das Feuer unter dem Hexenkessel entfacht, und verschiedene Hexen bringen die Zutaten. So ist die Mühlgasshex mit Mehl auf dem Weg zum Kessel. Die Schmalzgasshex versieht den Sud mit Schmalz, Hagelgasshex und Eichgasshex bringen Nüsse und Eicheln und die Kirchholzhex die Tannenzapfen. Nachdem die Holzkrüge mit dem Hexensud gefüllt sind, schreiten die Taufpaten hinter die Täuflinge und der Schlösslesteufel beginnt mit dem Taufspruch:

„Aus dem Ei wird das Küken, aus dem Küken wird der Gockel, und die Hulda auf dem Sockel stechen die Mücken; Dotter zum Botter.“

Nun wird ein Riesenei auf den Köpfen der Täuflinge zerbrochen.

„Bier über die Birn, das reinigt das Hirn.“

Jetzt wird der Hexensud über den Köpfen der Täuflinge ausgegossen.

Dann werden die Täuflinge zugedeckt. Wenn alles ruhig ist, erscheint dann Hulda, die oberste Hexe. Sie wird die Verwandlung der Junghexen zu „richtigen“ Bisinger Hexen durch Berührung ihres Hexenbesens zur Vollendung bringen. Ein Feuerwerkskörper setzt den Schluss und das Zeichen für alle Hexen, bis zum Fasnetsdienstag ihr spaßiges Unwesen zu treiben.


Blau-Weiß-Ball:

Weit über das Bestehen der Bisinger Hexen hinaus findet der Blau-Weiß-Ball seine Tradition.

Blau und weiß symbolisieren die Farben des Fußballvereins Bisingen. Besonders in den damaligen Zeiten fand dieser Ball im größeren Rahmen im Gasthaus Rose und im Sportheim des FV Bisingen statt.
Anfänglich war die Umgewöhnung in einen so großen Saal wie die Hohenzollernhalle recht schwierig, doch inzwischen hat sich der Blau-Weiß-Ball, der zum größten Teil von den Hexen betrieben wird, zu einem festen kulturellen Bestandteil in der Gemeinde Bisingen gemausert.


 


Sammeln für eine soziale Einrichtung:

Der Weg der Bisinger Hexen, wie bereits in der Entstehung erwähnt, liegt im sozialen Bereich. Uneigennützig und in seiner Art wohl einzigartig für eine Narrenzunft, sammeln die Bisinger Hexen am Fasnetsdienstagmorgen für eine soziale Einrichtung.
Anfangs lag das Augenmark auf den unversicherten Sportverletzungen von Fußballkameraden; dann wurde die „Aktion Sorgenkind“ bedacht, bei der die Bisinger Hexen mehrere Male Auszeichnungen bekamen. In letzter Zeit wurde die Sozialstation St. Fidelis und auch der Förderverein für Krebskranke Kinder Tübingen e.V. mit dem Sammelergebnis bedacht und es konnten schon mehrmals beachtliche Summen übergeben werden. Dies war hauptsächlich durch die Spendenbereitschaft der Bisinger Bevölkerung möglich.


Die Hexenverbrennung (Fasnetsverbrennung):

Selbstverständlich hat die Hexenverbrennung der Bisinger Hexen nichts mit der Zeit zu tun,
als die Inquisition ihren Schrecken in Europa verbreitete. Vielmehr symbolisiert die Verbrennung einer Strohhexe oder eines Hansels das Austreiben der Fasnet und das Ende der verrückten Zeit, und alles was an sie erinnert wird den Flammen übergeben. Jede Zunft verbrennt etwas anderes und keinem Narren würde es einfallen, in diesem Spiel der Winteraustreibung und Verbrennung ihrer Symbolfiguren irgendwelche Realitäten zu sehen; geschweige denn eine Gewalt gegen Frauen oder Menschenmisshandlung zu propagieren.

Bei den Bisinger Hexen wird am Fasnetsdienstag auf einem Scheiterhaufen ihre Symbolfigur Hulda verbrannt, um eben der Fasnetszeit ihr Ende zu setzen. Dazu wird unter schaurigen Klängen die Hulda in einem „Gatter“, damit sie nicht wieder entwischen kann, von vier Kuttenträger, zum Scheiterhaufen geführt. Dort wird sie unter Gejammer der Bisinger Hexen am Scheiterhaufen hochgezogen und den Flammen übergeben. Als Abschluss und als Zeichen zum Ablegen vom Häs wird ein Feuerwerk abgebrannt. Die Flammen, die gegen den Nachthimmel schlagen und das Beobachten des Funkenflugs ist für jedermann ein schaurig schönes Erlebnis